Pixar’s ‘Lightyear’* – selbstzensiert und gebannt

berichtete Variety vor Kurzem. Mittlerweile geht diese Nachricht viral. Was ist passiert?

Pixar´s neuer Animationsfilm „Lightyear“ stößt auf das Missfallen etlicher Sittenwächter. Anlass ist eine Kussszene zweier weiblicher Charaktere im Film. Diese Szene führt dazu, dass der Film in zahlreichen Ländern nicht gezeigt wird. „Wegweisend“ dabei sind wieder einmal Saudi-Arabien, Kuwait und die V.A.E. Mittlerweile gehören aber auch Ägypten, Malaysia, Bahrain, Irak, Jordanien, Libanon, Oman, Palästina, Katar und Syrien zu diesen Ländern.

Der Vorwurf der V.A.E. etwa lautet, Disney würde den Islam beleidigen. Und Malaysia etwa zensiert Szenen mit „homosexuellem und unnatürlichem Sex“.

So weit, so typisch. Dazu gibt es jedoch eine Vorgeschichte, und die finde ich deutlich bedrückender: Die Szene, in der eine neue lesbische Space Ranger-Figur namens Alisha und ihre Partnerin zusammen eine Familie gründen und sich mit einem Kuss auf die Lippen begrüßen, war nämlich bereits ursprünglich von Disney aus dem Film herausgeschnitten worden. Wir reden hier also auch über Selbstzensur. Hintergrund ist tatsächlich das „Don’t Say Gay“-Gesetz in Florida, von dem sich Disney nicht wirklich distanziert hatte. Vielmehr gab es umfassende Spenden des Unternehmens an unterstützende Abgeordnete. Erst aufgrund von Protesten gab der CEO Bob Chapek ein Memo heraus, indem er der LGBTQ-Community seine Unterstützung zusagte.

Darauf folgte ein Mitarbeiterbrief etlicher Beschäftigter. Deren Perspektive ist, dass Disney in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Anti-LGBTQ Initiativen finanziell und anderweitig unterstützt habe. Insbesondere wird in dem Brief eine klar abgegrenzte Positionierung zu dem „Don’t Say Gay“-Gesetz gefordert. In dem Gesetz heißt es unter Section 1001.42 subsection (8) Paragraph (c)3.: „Der Unterricht durch Schulpersonal oder Dritte zur sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität darf im Kindergarten bis zur 3. Klasse nicht oder in keiner Weise erfolgen, die nicht alters- oder entwicklungsgerecht für die Schüler gemäß den staatlichen Standards ist“. Des Weiteren ging es darum, dass Disney „offensichtlich schwule Zuneigung“ in seinen Filmen zensiere. So auch in „Lightyear“.

So schließt sich der Kreis um einen Film, der nach außen hin von Zensur und von innen her von Selbstzensur betroffen ist. Traurig, aber wahr. Der Film? Pflichtprogramm als Statement.

* © Beitragsbild von Pixar/Disney